" Seit gestern weiß ich, dass ich mit einiger Sicherheit bis zum März nächstes Jahr an Bord bleiben soll."Ich hatte einen Klos im Hals. 11 weitere Monate? Ungefähr 330 Tage? 7920 Stunden? 475200 Minuten? 28512000 Sekunden? 11 Monate lang deine Stimme nicht hören, dein Gesicht nicht sehen, nicht gekitzelt werden von dir. Damit sehe ich dich 14 Monate nicht. Früher haben wir eher nebeneinander hergelebt. Uns nicht wirklich gestritten, aber auch nicht wirklich was miteinander zu tun gehabt. Ich weiß nicht, obs der Altersunterschied war oder, ob du vielleicht einfach kein Interesse an mir hattest, aber das glaube ich nicht. Ich will es auch nicht glauben. Aber irgendwann hat es bei uns "gefunkt". Wir haben Gemeinsamkeiten gefunden. Mehr miteinander gemacht, waren viele Wochenenden zusammen weg. Der Sport hat uns verbunden. DU hast mich getröstet, als ich traurig war, weil ich Knotenfehler hatte, weil ich mich verletzt hab, weil ich krank war. DU warst mein Ersatzpapi, wenn wir unterwegs waren. Ich war immer sehr stolz, so einen tollen, schlauen, sportlichen Bruder zu haben. Hätte dich am liebsten geheiratet. Es war so komisch, ich hatte das Gefühl, dass ich plötzlich mit dir sehr eng verbunden war. Du warst mein größtes Vorbild! Ich hatte viele Probleme mit Mama, aber du warst immer für mich da. Und dann? Du bist ausgezogen. Abi in der Tasche, 1.1 er Schnitt, nun gings auf zur Marine. Ich dachte es würde nicht schlimm werden.Alle 2 Wochen warst du da, hast mich überrascht, als du zu Wettkämpfen kamst und alle davon wussten außer ich. Ich weiß noch:
In Senftenberg. Alle taten ganz geheimnisvoll, wussten bescheid, keiner hats verraten. Ich habs nur durch Zufall erfahren. Meine Zahnbürste habe ich damals in meiner Tasche vergessen. Musste zurück ins Klassenzimmer als sie grade darüber redeten, wann du und Pierre kommen würdest. Ich habe angefangen zu weinen, vor Freude natürlich! Habe mich ganz schnell bettfertig gemacht und dann gefühlte 100 Stunden gewartet. Im Schlafanzug und in einen Schlafsack gewickelt habe ich in unserem Raum auf dich gewartet - mit einem riesigen Grinsen im Gesicht. Ich sah dein Auto vorfahren. Bin im Schlafanzug, ohne Schuhe durch die Schulgänge gerannt, an allen anderen Vereinen vorbei und bin dir in die Ärmchen gesprungen. Was für ein wundervolles Gefühl.
Jedoch kamst du irgendwann immer seltener, warst nicht einmal Weihnachten Zuhause, an meinem Geburtstag sah ich dich nicht. Mir ist schon klar, du konntest nicht jedes Wochenende herkommen, aber ich war enttäuscht. Habe oft geweint. Du hast angefangen zu studieren, dir ein Boot gekauft, wir hatten wieder etwas, was uns verband. Wie ich es geliebt habe, mit dir 2 Jahre lang an dem Boot zu bauen. Und dann kam der Schock, dass du wieder zur See musst. Das warst du schoneinmal. Beim ersten Mal kam dort jemand um. Was denkst du denn was sich deswegen nun für eine Angst um dich hab. Oft wache ich in der Nacht auf, schweißgebadet, mit einem in Tränen gebadeten Kissen unter meinem Kopf. Ich habe geträumt, dass man dich mir wegnimmt, ich dich nie wieder sehe, du umkommst in einem fremden Land, was tausende von Kilometern entfernt ist. Ich kein Wort mehr mit dir wechseln kann, nicht mehr von dir in Arm genommen werde. Dass, das nächste mal wenn ich dich sehe, das der Tag deiner Beerdigung sein würde. Sogar bei meinem Freund habe ich mich in den Schlaf geweint. Und nun muss ich das noch 11 weiter Monate erleben? Das kann doch nicht dein Ernst sein. Ich weiß, du kannst es nicht ändern - aber ich würde es mir wünschen.
Ich hoffe du versprichst mir eins!
Komm gesund wieder zu mir zurück!
ich bitte dich, mir diesen einen Wunsch zu erfüllen. ich liebe dich, Peter.
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